Tiere essen

Es ist einer der Vorzüge des Yoga, dass es keine Vorbedingungen gibt, um mit Yoga zu beginnen. Alle sind willkommen und so ist es auch keine Voraussetzung, Vegetarier zu sein.

 

Erfahrungsgemäß schränken Yoga-Praktizierende aber nach und nach den Fleischkonsum ein und oft lassen sie das Essen von Tieren (auch Fische sind Tiere) dann irgendwann ganz sein. Warum?

 

Zum einem lernen wir durch die Yogapraxis unseren Körper besser kennen. Vor allem mit den immer wieder kehrenden Haltungen der Ashtanga-Praxis haben wir ein untrügliches Messinstrument für Einflüsse unserer Lebensweise auf unser Wohlbefinden. Ein konkretes Beispiel: Wenn wir uns morgens bei der Praxis schwer und träge fühlen, gibt die Frage nach dem Abendessen möglicherweise Aufschluss. Ich überlasse eurer Fantasie, was ihr euch an tierischen Lieblingsspeisen so vorstellt. Und da Yoga eine Erfahrungswissenschaft ist: Probiert es aus!

 

Zum anderen werden wir aber auch sensibler vom ethischen Standpunkt her, wenn wir uns mit der dem Ashtanga Yoga zugrunde liegenden Philosophie beschäftigen. Patanjali hat in seinen sutras (einem Leitfaden der praktisch anwendbaren Yogaphilosophie) ethische Vorschläge gemacht, die so zeitlos und universell gültig sind, dass sie Lösungen bieten für die Probleme unserer modernen Welt, z.B. Verzicht zu üben (tapas) und Gewalt zu vermeiden (ahimsa).

 

Zur Zeit sorgt das Buch "Tiere essen" vom amerikanischen Autor Jonathan Safran Foer für Aufsehen. (Für Interessierte: Es liegt im Studio aus). Mehr als mit den Auswirkungen des immensen Fleischkonsums auf unsere Umwelt (Zitat S. 55: Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung trägt 40 Prozent mehr zur globalen Erwärmung bei als der gesamte Transportverkehr weltweit; sie ist die Ursache Nummer eins für den Klimawandel) beschäftigt sich Foer mit der Massentierhaltung und den damit für die Tiere verbundenen Qualen, die er skrupellos beschreibt (nix für Zartbesaitete). Die mit der Aufzucht und Schlachtung von Tieren einhergehende Gewalt ist abscheulich und mit unserem Selbstverständnis einer zivilisierten Gesellschaft nicht zu vereinbaren. Abhilfe schafft hier nicht das Essen von Biofleisch, sondern nur die Einschränkung des Fleischkonsums, besser noch der Verzicht darauf!

 

Bei Patanjali steht in sutra 2.16 : Zukünftiges Leid kann vermieden werden (heyam dukham anagatam). Wir haben die Wahl, mit unseren Konsumentscheidungen zukünftiges Leid zu vermeiden!

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Kommentare: 2
  • #1

    Karin M. Schmidl (Freitag, 01 Oktober 2010 18:15)

    Ich habe das Buch noch nicht gelesen, finde jedoch folgenden Kommentar recht interesannt:
    http://www.amazon.de/review/R3TV9U6AR8W17V/ref=cm_cr_rdp_perm

    Den erwähnten Film "We Feed the World" (sehr sehenswert!) kann man hier ansehen:
    http://video.google.com/videoplay?docid=-7738550412129841717#

  • #2

    Andreea Bratu (Samstag, 02 Oktober 2010 22:30)

    Liebe Heike, ich kann allem Gesagten nur vollen Herzens zustimmen, Fleisch (vor allem aus Massentierhaltung) essen produziert unermeßliches Leid und dem sollten sich auch all jene stellen die es konsumieren-wie selten es auch sei!!!Ich finde es großartig von Dir das Thema auf den Tisch zu bringen und zu rütteln und zu schütteln!